igb AG · In Dimensionen bauen

Nach wie vor hängen Wachstumsstrategien und räumliche Kapazitäten in der Druckbranche eng zusammen.

Matthias Stieff Vorstand igb AG
Matthias Stieff im Interview

Das interessiert mich

Mit Kunden Konzepte entwickeln

Der optimale Workflow steht über einem Flipchart-Bogen auf dem Besprechungstisch im Büro von Matthias Stieff. Das Papier daneben skizziert den Ist-Zustand. Der igb-Vorstand ist von einem Workshop zurück bei einer mittelständischen Druckerei. Während das Ist wie ein Netz wirkt, ist das Optimum ein Pfeil, der sich vom Lager für die Rohware durch die Druckhalle zieht und sich schließlich zum Versand dreimal teilt.

»Wir haben gemerkt, dass sich die Prozesswege im Moment ständig kreuzen, dass die Rohwarenversorgung extrem lang ist, dass zu wenig Zwischenlager für die Halbfertigware da ist.«

Hinter dem optimalen Workflow steckt jedoch mehr als die aktuellen Probleme der Firma. »Das hat mehrere Dimensionen«, zitiert Matthias Stieff augenzwinkernd sich selbst. Die Druckerei, Größenordnung 35 Mitarbeiter, ist dabei, ihr Geschäftsmodell zu ändern. Wo früher schlicht gedruckt wurde, stehen heute in einer spezialisierten Nische die Inhalte, die schließlich auf die Druckplatten kommen, im Vordergrund. Außerdem übernimmt die Druckerei künftig auch den Versand an eine Vielzahl von Einzelkunden selbst. »Was wir bauen, kommt aus der Strategie des Kunden. Die tausend planerischen Details lassen sich alle auf dieses große Ganze zurückverfolgen.«

Zukunftsräume

Nach wie vor hängen Wachstumstrategien und räumliche Kapazitäten in der Druckbranche eng zusammen. So sehr die digitale Revolution die Printproduktion verändert hat, anders als in anderen Wirtschaftsfeldern, ist die Druckerei als Ort und Gebäude ein Schlüsselfaktor für den Erfolg der Drucker geblieben. »Die bauliche Hülle muss passen, insbesondere darf sie die Möglichkeiten, auf dynamische Märkte zu reagieren, nicht beschränken.« Sonst steht der Bau dem Unternehmen schlicht im Weg. Der igb-Vorstand nennt das »Zukunftsräume«. Unternehmen positionieren sich neu mit strategischen Gebäudeinvestitionen in schwierigen Print-Märkten. »Das sind gebaute Strategien, die grundsätzliche unternehmerische Entscheidungen – finanzielle Risiken inklusive – konsequent umsetzen.«

Konkrete Fragen

Im Alltag von Matthias Stieff geht es zunächst meistens um ganz konkrete Fragen. Etwa bei einer süddeutschen Druckerei, einem Familienbetrieb mit 120 Mitarbeitern. Wie sieht das Unternehmen seine Stellung im Markt? Sind Übernahmen geplant? Was soll es künftig an Produkten geben? Stehen neue Auftraggeber vor der Tür? »Dann gibt es meistens einen Rundgang.« Welche Formate werden gedruckt? Wie hoch ist der Durchsatz der Maschinen? Erst danach geht es systematisch um die Räume des Unternehmens, wie die Sozialbereiche, Verwaltung, Produktion, Anlieferung und Versand. Matthias Stieff will genau wissen, wie es läuft. Wie ist bei Ihnen die Auftragssachbearbeitung strukturiert? Wie viel archivieren Sie wo? Wie organisieren Sie ihre Durchläufe? Wie ist die Kommunikation zwischen Innendienst und Produktion? Sind die Zwischenlager ausreichend? Brauchen Sie eine Rampe oder organisieren Sie ihre Logistik ebenerdig?

»Wahrscheinlich hat das auch was mit mir zu tun, das interessiert mich einfach persönlich. Oft passiert es uns, dass Kunden sagen, wenn wir den ersten Entwurf vorlegen: ›Oh, Sie haben aber gut zugehört‹.«

Heiko Engelhardt im Interview

Eingebaute Wasserwaage

Qualität der Details

»Ich habe das Ding nicht auf«, Heiko Engelhardt nimmt seine Brille ab, »damit ich besser sehe, das ist eine eingebaute Wasserwaage.« Er ist der Mann bei igb, der dafür sorgt, dass tatsächlich gebaut wird, was geplant ist. »Das gesamte Projektcontrolling liegt bei mir. Das will ich auch niemand anders geben.« Die Bauvorhaben im Sozialbereich leitet der igb-Vorstand immer persönlich. »Wir haben den Anspruch, mit den Entscheidern zu reden. Umgekehrt ist es genauso. Bei den Bauberatungen mit den Bauherren bin ich deshalb grundsätzlich vor Ort mit dabei. Da geht’s auch mal hoch her, aber wir gehen nie ohne Ergebnis auseinander. Eben, weil das die Ebene ist, auf der die Dinge entschieden werden.«

Soll/Ist-Vergleich

Das sind tausend Einzelentscheidungen mit dem Blick für das große Ganze, was am Ende pünktlich und finanziell auf den Punkt fertig werden muss. »Auf der Baustelle bin ich der, der die Distanz hat zum Geschehen. Auch altgediente Bauleiter gehen mal in Sackgassen. Da ist es gut, wenn einer von außen draufschaut.« Immer geht es um den Soll/Ist-Vergleich. »Zwischen unserem geschuldeten Soll und dem, was auf der Baustelle wirklich geschieht. Immer wieder mit der Bibel in der Hand, immer mit der Frage, was steht dazu im Text der Baubeschreibung.«

Und wie in der Bibel gibt’s da auch Teufel. Für Heiko Engelhardt stecken die im Detail. »Das sage ich unseren Planern und Architekten immer wieder, der große Plan wird aus dem Detail entwickelt.« Da geht es zum Beispiel darum, die Bau- und Versorgungstechnik verzahnt zu denken. »Gleich so scheinbare Kleinigkeiten mitzudenken. Wo kommen die Öffnungen für die Lüftung hin, wo sind Lasten anzuhängen? Damit die Versorgungsleitungen auch da hinpassen, wo sie hinsollen. Es hilft nichts, als Planer zu hoffen, dass ich eine Firma finde, die sich schon selbst Gedanken macht. Das wird nichts.«

Was wirklich passiert

Die beteiligten Unternehmen sollen in der Gewissheit bauen: »Wir gucken hin.« In die Zeichnung, ins Leistungsverzeichnis und darauf, was draußen passiert. »Was auf der Baustelle dann wirklich gebaut wird«, sagt der igb-Vorstand, »ob die Wand in der Flucht steht, ob das die Materialien sind, die wir bestellt haben. Dafür rutsch‹ ich auch mal selber auf den Knien rum.«

Partner

Konflikte auszutragen und auszuhalten, ist für Heiko Engelhardt Alltag. Der Ton allerdings habe sich im Laufe der Jahre geändert. »Was mir auffällt, setze ich durch. Das ist nach wie vor so. Aber man wird mit jedem Tag auch ein bisschen klüger. Die Achtung vor den Leuten, die diese Arbeit machen, die wächst. Die manchmal von ihren Firmen auch gnadenlos verheizt werden. Da gehe ich nicht her und haue da auch noch drauf.«
Mit vielen Nachunternehmern baut igb schon seit Jahren. »Wir brauchen Partner, wo wir uns auf Termine und Qualität verlassen können.« Im Gegenzug bieten die Weimarer, was auf dem Bau nicht unbedingt selbstverständlich ist: finanzielle Sicherheit. »Über Geld wird bei uns auf der Baustelle nicht diskutiert. Wir sind Skontozahler. Das wissen unsere Nachunternehmer. Die wissen, dass sie sich auf uns verlassen können. Das haben wir uns in den Jahren erarbeitet.«

… hier wohnen Menschen in einem Abschnitt ihres Lebens, in dem sie es am schönsten haben sollten.

Thomas Grimm Prokurist igb AG | Vorstand igb Konzept AG
Thomas Grimm im Interview

Wozu machen wir das?

Bauen für soziale Unternehmen

»Ein Pflegeheim ist kein Guggenheim«, beschreibt der Architekt Thomas Grimm seine gemischten Gefühle. Sozial ist nach wie vor ein Synonym für extrem knappe Bau-Budgets. Viele Neubauten werden heute jedoch in exponierten Innenstadtlagen realisiert. Soziale Arbeit soll mitten im Leben stattfinden. »Aber«, sagt Thomas Grimm, der bei igb den Sozialbau leitet, »mit einem Pflegeheim ist es schwer, ›Signature-Architecture‹ zu machen. In kleineren und mittleren Städten, wo wir nicht selten Filetgrundstücke bebauen, gibt es die berechtigte Erwartung, dass wir auch wie Stadtplaner denken. Da wird über Ausstrahlung, Flair und Unverwechselbarkeit diskutiert. Aber die Geschäftsmodelle der Pflege geben eben kein Guggenheim, wie das Museum in Bilbao, her.«

Ein Widerspruch, den Thomas Grimm ganz persönlich erlebt, als Prokurist und Vorstand, als Projektentwickler und Architekt in einer Person. »Ich wollte was machen, wo man mehr als ein Talent braucht. Ich bin der Generalist, der das Projekt in seinen verschiedenen Dimensionen sieht.« Manchmal würde er gern selbst einen Entwurf auf den Tisch legen. »Aber das ist unrealistisch. Ich bin nicht mehr im zeichnerischen Training, um das schnell genug zu bearbeiten. Und mein Job ist es ja gerade, den Überblick zu behalten, Architektur und Funktion und Investition auszubalancieren.« Die Kunden schätzen besonders seine Expertise in der Sozialwirtschaft. »Uns muss man die Strukturen und Abläufe in den Häusern nicht mehr erklären. Wir wissen, wie solche Einrichtungen funktionieren. Wir kennen die Möglichkeiten der Bauherren.« Das bringt Kostensicherheit für beide Seiten, realistische Angebote und sichert Qualität. »Und wir bauen mit straffen Zeitplänen, mit belastbaren Terminen und sicheren Kosten«, fügt Thomas Grimm hinzu, »wenn man von Anfang an die richtigen Fragen stellt, dann spart das Zeit und Geld.«

Zweckbauten für Menschen?

Architektur für soziale Einrichtungen wird bei igb immer wieder diskutiert. In der freien Wirtschaft sind die Spielräume vergleichsweise groß. Gerade in inhabergeführten Unternehmen wird beim Bau nicht nur wirtschaftlich entschieden, da geht es oft ambitioniert um Gestaltung, da werden Firmengebäude durchaus auch als Zeichen für den Markt verstanden. »In der Sozialwirtschaft führen wir die Diskussion, ob es reine Zweckbauten für Menschen überhaupt geben kann. Ob sich Wohlfühlen, Sicherfühlen, Ermutigtfühlen in betriebswirtschaftliche Kennzahlen umrechnen lassen.« Als Architekt besteht er darauf, dass Funktion und Kosten wie auch Arbeitswelt und vor allem Lebenswelt einen architektonischen Ausdruck finden müssen. »Gerade was die Pflege angeht, hier wohnen Menschen in einem Abschnitt ihres Lebens, in dem sie es am Schönsten haben sollten. Das müssen wir nicht selten auch den Bauherren gegenüber vertreten. Ja die Mittel sind knapp, ja wir rechnen mit spitzem Stift, aber Effizienz ist hier das falsche Wort. Da müssen wir uns immer mal wieder erden und uns fragen, wozu machen wir das? Wo verhindern wir eher Leben mit unserem fachlichen Inselblick, als es zu unterstützen?«

Der Bedarf ist da und erkannt

In der Sozialwirtschaft wird auch in strukturschwachen Regionen wieder gebaut. »Der Bedarf ist da und ist erkannt. Nicht nur in der Altenpflege.« Es gibt innovative Konzepte auf allen Gebieten der sozialen Arbeit, die auch die entsprechenden Räume brauchen. Es gibt durchaus Akzeptanz auf Seiten der Kostenträger, es gibt etablierte Investitionspartner. Der Grund, warum viele Träger dennoch zögern, ist, dass ihnen oft die Kapazitäten für die Entwicklung so anspruchsvoller Bauvorhaben fehlen. »Die Gemeinnützigen wurden in den letzten 20 Jahren so sehr auf betriebswirtschaftliche Effizienz getrimmt, dass viele einfach nicht das Personal haben, das sich mit solchen Projektentwicklungen beschäftigen könnte.«

Für Thomas Grimm ist daraus eine weitere Rolle erwachsen. »Wir haben das jetzt getrennt. Konzeption und Projektentwicklung einerseits, konkrete Bauplanungsprojekte andererseits.« igb Konzept, als Tochter der igb AG, bietet den unabhängigen Beratungspart. »Ich mag es, Projekte mit den Bauherren zu entwickeln. Mit igb Konzept haben wir hierfür die nötige Freiheit und Glaubwürdigkeit gegenüber den Trägern.«

Martin Kolodziej im Interview

Aus Prinzip

Die Form folgt der Funktion

Es klingt mehr nach Baustelle als nach Musenkuss, wenn igb-Entwurfsarchitekt Martin Kolodziej von seiner Arbeit erzählt. »Wenn die erste Idee da ist, spielt man mit dem Grundriss, schneidet Vorlagen maßstabgerecht aus, legt die übereinander, schiebt sie hin und her.« Als wollte er den kreativen Prozess bewusst entmystifizieren, streut er Verben wie »rumwurschteln« und »zusammenwerfen« ein. Bei dieser ersten Idee allerdings, für den ersten Entwurf, sucht er regelmäßig das Optimum. Egal, ob es sich um ein Pflegeheim oder einen Industriebau handelt. »Die Schere im Kopf bleibt bewusst erst mal zu. Am Anfang arbeite ich ganz prinzipiell. Wie muss das Gebäude aussehen, damit es ideal funktioniert. Dann denke ich über die Form nach im Sinne von Gestaltung und Schönheit. Das ist wirklich die reine Lehre, wo die Form der Funktion zu folgen hat.« Da geht es dem Architekten ums Prinzip. »Wir sind es den Bauherren schuldig, ihre Wünsche und Ideen radikal weiter zu denken. In der Hoffnung, dass sie vielleicht sagen, ›Oh, das ist es! Das funktioniert, so sind wir! Das sieht so gut aus, das machen wir.‹ Auch wenn es in einigen Punkten anders vielleicht billiger wäre.«

Optimierung des Optimalen

Anschließend erst beginnt, was Martin Kolodziej die »Optimierung des Optimalen« nennt. Wobei es gar nicht immer nur ums Finanzielle geht. Ein Beispiel: Eine Schweizer Firma plant für ihre deutsche Tochter in Singen am Bodensee eine neue Betriebsstätte. Dort sollen Faltschachteln, vor allem für Nahrungsmittel, produziert werden. »Da haben wir ausgehend von einem Funktionsschema des Auftraggebers geplant. Das war sehr genau, sehr strukturiert, wie man sich das bei Schweizer Fachleuten vorstellt. Es sollte ein Hochregallager geben mit einem bestimmten Lagervolumen, danach hatten sich die Produktionshalle und die Verwaltung zu richten.« Als jedoch der erste Idealentwurf fertig ist, stellt sich heraus, dass der nicht auf das Grundstück passen würde. Das Grundstück war zu schmal.

Kompromiss heißt nicht »zweitbeste Lösung«

»Wir haben also das Optimum für das Grundstück optimiert. Der Bauherr hat noch einen Meter in der Breite zugekauft. Und wir haben eine L-Form im Verwaltungsbau entwickelt, auf die wir sonst niemals gekommen wären. Das Lager wurde länger, weil sonst die Gangbreiten nicht gereicht hätten. Die Verwaltung war der letzte Schritt. Die Vorstufe kam ins Erdgeschoss und oben drüber eine Terrasse für die Mitarbeiter.« Die Fassade hätte nach den Vorstellungen des Architekten aufwendiger werden sollen. Mit vorgehängten Elementen. Die wurden der Wirtschaftlichkeit geopfert. »Wir haben das mit einer Putzfassade gelöst und großen Fenstern und auch als Gestaltungselement sehr dominierend: mit einem großen, roten Logo. Kompromiss muss also nicht automatisch heißen, Abstriche zu machen.«
Flexibilität ist zum Beispiel im Industriebau eine Dimension, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. »So haben wir den finalen Entwurf auch auf künftige Erweiterungsmöglichkeiten hin geplant. Einschließlich Feuerwehrumfahrt, die für die Gebäudegröße, die heute die Funktion der Druckerei annähernd perfekt abbildet, noch gar nicht gesetzlich vorgeschrieben ist.«

Ein ausgeprägter Sinn für die Praxis auf der Baustelle, das ist typisch igb.

Sabine Fondis & Ina Hesse Kalkulation und AVA
Sabine Fondis und Ina Hesse im Interview

Mit vielen Unbekannten

Erfahrung mit Partnern

»Wir bauen ja keinen Flughafen in Berlin! Wir können nicht einfach mal sagen, es ist doppelt so teuer geworden und dauert fünf Jahre länger.« Ina Hesse und Sabine Fondis sind bei igb für Angebotskalkulation, Ausschreibung und Rechnungsprüfung zuständig. Die beiden Bauingenieurinnen machen also aus den Planungen ihrer kreativen Kollegen nüchterne, belastbare Zahlen.

Zukunft berechnen

»Aber wer kann schon in die Zukunft schauen? Das geht immer nur hinreichend genau. Das geht nicht auf den Quadratmeter und auf den letzten Cent.« Ein komplexes Bauvorhaben zu kalkulieren, ist der Versuch, ausschnittweise ein Stück Zukunft zu berechnen. »Ich habe zuerst ein grobes Konzept«, erklärt Sabine Fondis, »die weitergehende Planung muss dann Stück für Stück eingearbeitet werden. So wird die Kalkulation immer genauer.« Die ganzen Vorschriften müssen bedacht sein. Da sind in den letzten Jahren viele dazugekommen oder verschärft worden, die untereinander manchmal auch nicht so richtig kompatibel sind, die machen es oft teuer. Und das ist den Bauherren mittlerweile schwer zu vermitteln.«

»Brandschutz und Wärmedämmung vor allem. Alles wird luftdicht verschlossen und die Konsequenz sind oftmals komplizierte Lüftungssysteme. Zum Beispiel in Pflegeheimen: Die Türen müssen so breit sein, dass ein Krankenbett hindurch passt. Und sie müssen außerdem den Schallschutz- und Brandschutzvorschriften genügen. Das macht sie manchmal so schwer, dass man normalkräftig schon ein Problem hat, sie zu bewegen …« »Also diese Komponenten alle zusammenzubringen, aus der Planung und dem Vorschriftenwerk ein gutes Angebot zu machen, das ist nicht so einfach.«

Es ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Dass igb als Generalübernehmer trotzdem Festpreise anbietet, hat vor allem mit Erfahrung zu tun. »Ich habe selbst mal auf der anderen Seite gearbeitet, in einer Baufirma«, erzählt Ina Hesse, »Ich weiß, wie da in den Ausschreibungen zwischen den Zeilen gelesen wird, da sollten die Leistungen schon umfassend beschrieben sein.«

Die richtigen Unbekannten

Viele der Unbekannten, die es zu berechnen gilt, sind die Baufirmen, die umsetzen, was igb entwirft, plant, kalkuliert und ausschreibt. Die Suche nach guten Ausführungspartnern ist ein großes Thema. igb bevorzugt auch bei den Nachunternehmern Verhandlungen auf der Entscheiderebene. Mit Unternehmern, die sich später auch noch erinnern, was besprochen wurde. »Das ist nicht nur ein Qualitätsthema, es geht dabei auch um Termine und Kommunikation.« Daneben spielt das Auftragsvolumen eine wesentliche Rolle bei der Auswahl der Partner. »Man kann nur in Ausnahmefällen eine Leistung von 500.000 Euro an ein Drei-Mann-Unternehmen vergeben. Wir nehmen aber bei Ausbaugewerken, wie Fliesenleger oder Trockenbauer, gern auch kleinere Unternehmen aus dem Baustellen-Umkreis.« Mit einer Gruppe von etwa 15 Unternehmen arbeitet igb ständig zusammen. »Das sind Firmen, wo die Qualität passt, wo man fast blind vertrauen kann und auch das Finanzielle stimmt.«

Mentalität

Pro Bauvorhaben sind Leistungsverzeichnisse für bis zu 40 Vertragspartner zu erstellen. Dabei gilt das Prinzip, die Baustelle bis in die Tiefe zu gliedern. »Weil wir die Spezialisten suchen, die richtigen Partner, die richtige Vertragssituation, richtig für den Standort. Das geht bis zur Putzfrau, die für die Endreinigung kommt und bis zum Feuerlöscher, den wir inzwischen auch mitbringen.« Ein ausgeprägter Sinn für die Praxis auf der Baustelle, das sei typisch für igb, so beschreibt es Sabine Fondis. Angefangen bei den Vorständen, die selbst lange als Bauleiter vor Ort praktiziert haben. »Da sind wir schon anders als Unternehmen, bei denen nur Kaufleute die Bauleistungen einkaufen. Diese Praxis-Mentalität, die haben wir hier alle bei igb.«

Andreas Claus im Interview

Produktive Perspektiven

Investieren, Bauen und Betreiben im Zusammenhang konzipiert

Versteht sich das Konzipieren im Zusammenhang nicht eigentlich von selbst? »Theoretisch natürlich. Aber wir haben oft erlebt, aus der Banker- wie aus der Architekten-Perspektive, dass nur ein einziger Aspekt das Projekt dominieren kann und letztendlich zum Scheitern bringt.«

Für igb Konzept gehören Umsetzungsrelevanz, Standort, Wettbewerb, bauliche Voraussetzungen und das idealtypisch passend geförderte Refinanzierungsmodell von Anfang an untrennbar zusammen. »Eben nicht nacheinander, sondern als Summe aller Aspekte einer Entscheidung. Wichtig bei dem gesamten Bild bleibt, den projektimmanent richtigen ersten Schritt zu tun, als Grundlage des Ganzen.« Das Ziel sind soziale Einrichtungen für die ganz Jungen und die Generation unserer Senioren, die insgesamt wenig verbrauchen, sowohl was die Ressourcen der Organisation als auch die Ressourcen der Umwelt angeht. »Soziale Unternehmen brauchen Gebäude, die sich leicht ändern lassen, wenn neue Konzepte passende Räume verlangen: Bewegliche Immobilien und schöne Lebensräume zu vertretbaren Kosten.«

Das sind die Momente, wo igb Konzept das ganze Bild liefert.

Wer übernimmt und wer gibt was

»Unser Vorteil in Mitteldeutschland ist hierbei unsere regionale Kenntnis. Diese regional- und projektspezifischen Bedarfe stellen wir nicht nur fest, sondern prognostizieren diese in die regionale Zukunft. Wichtige Fragestellungen müssen zwingend im Ergebnis beantwortet werden. Ist der Bedarf entsprechend, zu welchem Preis kann die Einrichtung im Betrieb platziert werden? Was nimmt der Wettbewerb? Mit wie viel Selbstzahlern ist zu rechnen? Was übernimmt der Sozialhilfeträger?«

Gleichzeitig schauen die KONZEPTER, wie man das alles sinnvoll baulich umsetzen kann. Was gibt das Grundstück her in Bezug auf Baurecht, Topographie, Erschließung etc.? Welche zusätzlichen Kosten sind zu erwarten? So werden die baulichen Wünsche und Möglichkeiten sowie das finanzielle Budget von Anfang an im Zusammenhang gedacht.

Das ist eine Menge Papier. Wichtig ist es, praktische Relevanz in Kombination mit akademischen Interessen zu verknüpfen. »Wir produzieren jedoch im Ergebnis für jeden unserer Kunden genau so viel an Informationen, wie nötig ist, um eine realistische Entscheidung zu treffen.« Und: »Wir schaffen damit eine Entscheidungsgrundlage, die wir als produktive Perspektive verstehen.«

Typische Auftragssituationen

Häufig wird igb Konzept mit einer Initial-Idee konfrontiert. Aufgabe ist es dann, diese mit Leben zu füllen. Es geht darum, ein Projekt zu strukturieren und weiterzuentwickeln. »Es sind vielmals die Geschäftsführung und kommunalen Verantwortungsträger, die mit uns arbeiten. Die sind ja zumeist sehr eingebunden ins Tagesgeschäft – mit (zu) wenig Zeit, sich so etwas auch noch zu überlegen.«

Wir verstehen unsere Tätigkeit grundsätzlich mediativ und vermitteln in diesem Rahmen zwischen den langfristigen Interessenslagen der Investoren- wie auch der Betreiberseite – und versuchen einen Konsens und eine Win-Win-Situation zu gestalten. Oder auch für die infrastrukturelle Entwicklung einer Kommune. So kann es durchaus vorkommen, dass sich im Laufe einer Projektentwicklung für die ganz Kleinen – konkret eine Kindertagesstätte – die Möglichkeit und Idee zur Realisierung eines Wohngemeinschaftskonzeptes für die Großeltern der Kinder entwickelt.

Diese Beispiele, das ist Konzeption, das sind die produktiven Perspektiven. Dann kann die Entscheidung begründet fallen, das Projekt wirklich anzugehen. Damit beginnt erst die Planung. »Das spart auf jeden Fall Investitionskosten. Aber die Konzeption spart eben auch direkt Planungskosten.« Die eigentliche Planung beginnt so mit ganz anderen Voraussetzungen. »Verglichen mit den Gesamtinvestitionen sind das relativ geringe Beträge.«

So kann igb Konzept im Ergebnis immer die schon beschriebene Umsetzungsrelevanz mit ganz klar strukturierten produktiven Perspektiven in einem ausgewogenen Verhältnis verbinden.